Hochbegabt?! – was tun?

Herzlich willkommen auf unserer Seite zur Begabtenförderung. Sie haben die Seite aufgerufen – vielleicht, weil sich über das umfassende Bildungsprogramm des AVG informieren möchten? Oder weil sie selbst oder die Grundschule bei Ihrem Kind eine Hochbegabung vermuten? Oder weil bei Ihrem Kind bereits eine Hochbegabung festgestellt worden ist? Aus welchem Grund auch immer – hier finden Sie umfangreiche Informationen zum Thema Hochbegabung allgemein und zum Förderprogramm für Hochbegabte an unserer Schule.

Wozu Hochbegabtenförderung?

Noch immer gibt es Vorbehalte gegen spezielle Hochbegabtenförderung. Sollte man nicht eher die schwächeren Schülerinnen und Schüler unterstützen, anstatt die mit besonderen Begabungen ausgestatteten Kinder zu fördern? Hinter dieser Frage verbirgt sich u.a. die Vorstellung, dass besonders begabte Kinder eben weil sie begabt sind in der Schule auf jeden Fall gut zurechtkommen und sich quasi wie von selbst entwickeln. Dies allerdings ist – so der Begabungs- und Bildungsforscher Kurt Heller – eines der wissenschaftlich am besten widerlegten Vorurteile. Im Bereich der Musik oder des Sports käme wohl kaum jemand auf die Idee, bei einem Kind mit entsprechendem Talent und Interesse auf eine zusätzliche Förderung zu verzichten. Denn Talent allein reicht nicht, um außergewöhnlich gute Leistungen erbringen zu können. Und was für sportliche und musikalische Hochbegabung gilt, gilt genauso für intellektuelle Hochbegabung.

Hochbegabung – was ist das?

Intellektuelle Hochbegabung ist zunächst einmal „nur“ ein Fähigkeitspotenzial, d. h. eine aufgrund der Veranlagung gegebene Voraussetzung, außergewöhnliche Leistungen erreichen zu können. Hochbegabung ist aber nicht gleichzusetzen mit Leistung und ist auch keine Garantie für herausragende Leistungen. Neben einer hohen Intelligenz sind noch weitere Persönlichkeitsmerkmale (z. B. Motivation oder Leistungsbereitschaft) sowie günstige Umweltmerkmale (z. B. eine anregungsreiche Lernumgebung) notwendig, damit das hohe Potenzial auch in außergewöhnliche Leistung umgesetzt werden kann. Und deshalb ist eine auf die Bedürfnisse hochbegabter Kinder abgestimmte Förderung so wichtig. Begabtenförderung ist also ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Kinder entwickeln sich harmonisch und glücklich, wenn sie passgerecht gefördert werden. Besonders begabte Kinder brauchen Lernangebote, von denen sie herausgefordert werden und die für sie reizvoll sind. Nicht geförderte Begabungen können auch verkümmern.

Aus diesem Grund wurden seit dem Jahr 2002 in Rheinland-Pfalz vier Schulen mit einem Schwerpunkt für Hochbegabtenförderung eingerichtet. Das Auguste-Viktoria-Gymnasium ist eine davon. Hier werden seit dem Schuljahr 2005/06 in jedem Jahrgang bis zu 25 Schülerinnen und Schüler in einem eigens für sie konzipierten Bildungsgang entsprechend gefördert.

Grundsätze des Konzepts

Dem Konzept der Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule liegen die Bestimmungen und die Stundentafel des rheinland-pfälzischen neusprachlichen Gymnasiums zu Grunde. Weitere Merkmale sind:

  • die Verkürzung der Sekundarstufe I von sechs auf fünf Jahre;
  • das parallele Erlernen mehrerer Fremdsprachen mit Englisch und Latein ab der fünften und Französisch ab der sechsten Klasse;
  • der bilinguale Sachfachunterricht in Geschichte und Erdkunde ab der siebten Klasse;
  • der mathematisch-naturwissenschaftliche-technische Schwerpunkt (MINT).

Die Kinder und Jugendlichen sollen einerseits ihre jeweiligen Begabungen entfalten, neue Interessen entdecken und umfangreiche fachliche Kompetenzen erwerben können. Andererseits werden sie auch in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit unterstützt. Sie sollen lernen, ihre besonderen Fähigkeiten und Begabungen verantwortungsvoll für sich selbst und für die Gemeinschaft einzusetzen. Wie alle Schülerinnen und Schüler des AVG werden sie im Geist der unesco-projektschule erzogen.

In den Konzepten der Unter-/Mittelstufe sowie der Oberstufe werden beide Aspekte (Begabungen entfalten – Persönlichkeit entwickeln) dem Alter der Schülerinnen und Schüler entsprechend umgesetzt.

Aufnahme und Auswahl

Die Bewerbung um Aufnahme in die Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule erfolgt schriftlich unter Angabe der Beweggründe und Vorlage aller Zeugnisse sowie gegebenenfalls diagnostischer Gutachten. Entsprechende Anmeldeformulare stehen etwa ab Oktober eines jeden Schuljahres zum Download auf unserer Homepage bereit. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis Anfang Dezember (der genaue Termin wird auf der Homepage veröffentlicht) der Schule vorliegen.

In einem Auswahlverfahren werden durch Lehrkräfte und Expertenteams außer intellektuellen Fähigkeiten auch weitere persönliche und pädagogische Kriterien beobachtet, getestet und bewertet. Es ist wichtig zu erkennen, ob unser Förderkonzept den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes gerecht werden kann.

Über die Aufnahme entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter. Ein Rechtsanspruch auf Aufnahme in dieses besondere Bildungsangebot besteht nicht.

Das Aufnahmeverfahren ist spätestens Ende Januar und damit vor dem Beginn der allgemeinen Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen abgeschlossen.

Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen ist auch ein Quereinstieg aus einer Regelklasse möglich.

Organisatorisches

Die Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule wird in Form einer verpflichtenden Ganztagsschule geführt Die Schülerinnen und Schüler werden von Montag bis Freitag von 7.50 Uhr bis 16.00 Uhr, freitags bis 13.00 Uhr unterrichtet. Darunter findet sich auch Zeit für ein gemeinsames Mittagessen in der Mensa und Spielzeit sowie zur Anfertigung der Hausaufgaben.

Wir arbeiten eng zusammen mit dem Kompetenzzentrum für angewandte pädagogische Psychologie (KAP). Das Team von Frau Dr. Sperber und Frau Koster steht Eltern, Kolleginnen und Kollegen und auch Schülerinnen und Schülern zur Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Auch am alljährlichen Auswahlverfahren ist das KAP wesentlich beteiligt.

Konzept für die Orientierungs- und Mittelstufe

Begabungen entfalten ….

Ziel der Schule ist u. a. der Erwerb einer hohen fremdsprachlichen und naturwissenschaftlichen Kompetenz.

1. Das Prinzip der Mehrsprachigkeit:

Ab der Klasse 5 erlernen die Kinder Latein und Englisch parallel. In der sechsten Klasse kommt als dritte verpflichtende Fremdsprache Französisch hinzu. Ab der 8. Klasse besteht die Möglichkeit, eine vierte Fremdsprache zu erlernen. Gemäß den Prinzipien des bilingualen Unterrichts werden die Fächer Erdkunde und Geschichte ab der 7. Klasse in englischer Sprache unterrichtet.

Für Schülerinnen und Schüler mit internationalem Hintergrund werden nach Möglichkeit muttersprachliche Ergänzungsangebote und/oder Unterstützungsangebote im Rahmen der „Deutsch als Zweitsprache“- Kurse eingerichtet.

2. Vertiefte mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundbildung:

Es gilt auch für die Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule das erweiterte Angebot des AVG im Bereich Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften. In der 5. und 6. Klasse sind in diesem Bereich zusätzliche Experimentierstunden im Stundenplan verankert, um die Kinder praktisch arbeiten zu lassen. In der 7. Klasse stehen zusätzliche NaWi-Stunden auf dem Plan. Dies bietet Raum für forschendes Lernen und das Kennenlernen sowie Ausprobieren naturwissenschaftlich-empirischer Methoden. Außerdem werden auf diese Weise besondere Begabungen und Interessen in diesem Lernbereich gefördert. Wie alle Klassen erhalten die Kinder der Hochbegabtenklasse im Laufe der Orientierungsstufe (5. oder 6. Klasse) Unterricht zur informationstechnischen Grundbildung.

3. Stadtprojekt (von Frank-Thomas Ott)

Das Fach Stadtprojekt ist ein besonderes Fach. Es wird fächerübergreifend unterrichtet und ist Bestandteil des Enrichmentbereichs der Hochbegabtenförderung am AVG in den Klassen 5 und 6.

Über den Unterricht in diesem besonderen Fach wird den Schülerinnen und Schülern eine Vorstellung von Zeit und Raum vermittelt, von Geschichtlichkeit und Sprache und all‘ dem, was kulturelles Leben, kulturelle Identität, Tradition und Überlieferungen ausmacht.

Die Schülerinnen und Schüler lernen kulturelles sowie interkulturelles Denken und Handeln oft in Projektarbeit nachzuvollziehen und sich anzueignen. Sie werden dabei mit Geschehnissen, Orten, Monumenten und Dokumenten des kulturellen Gedächtnisses bekannt gemacht.

Der Unterricht findet nicht nur im Klassenraum statt. Museen, Archive sowie der Marktplatz und die großen Monumente der Stadt sind Unterrichtsstätte.

Über den Unterricht erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Vorstellung von Zeit und Raum, Religion, Sprache, Kultur und Naturraum und lernen in eigenen Projekten zu arbeiten. Auf diese Weise werden Fächer und Projektzeiten in der Mittel- und Oberstufe vorbereitet.

Interessierte Schülerinnen und Schüler setzen ihre Projekte in der AG Geschichte und Kultur fort. Der Erfolg ihrer Arbeit spiegelt sich in mehreren Landes- und Förderpreisen (Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten).

Hier finden Sie konkrete Unterrichtsbeispiele:

  • Mit Trebeta, einem Prinzen aus Babylon, fing alles an. Er floh der Legende nach vor seiner Stiefmutter und berühmten Königin Semiramis, die ihn heiraten wollte. Wie der Inschrift am Roten Haus auf dem Trierer Marktplatz zu entnehmen, gründete er Trier im schönsten Tal der Welt. In der historischen Realität lebten aber bereits lange vor Trebeta Menschen in der Steinzeit in Trier, wie vielleicht ein Mammutzahn, auf dem Schulhof des AVG gefunden, und viele andere, reale Funde im Rheinischen Landesmuseum zeigen.
  • Über die vielfältigen Funde im Rheinischen Landesmuseum und Bischöflichen Diözesanmuseum lernen die Schülerinnen und Schüler, wie die Römer die Stadt Trier gründeten und mit den Treverern, aber auch vielen Menschen aus anderen Völkern und Kulturen zusammenlebten. Porta Nigra, Basilika Amphitheater, Thermenanlagen, aber auch vielfältige Funde in den Museen zu Tempeln, Religionen und Kulten legen Zeugnis davon ab
  • Spätestens unter Kaiser Konstantin war Trier eine Hauptstadt des römischen Weltreiches und ein frühes, europäisches Zentrum des Christentums. Der Vorgängerbau von Dom und Liebfrauenkirche war eine der ersten Kirchenanlagen des Christentums und gleichzeitig monumentale Reichsarchitektur der römischen Kaiser. Besuche auch in Ausgrabungen und Grabungsstätten ergänzen den Unterricht.
  • Trotz vieler Plünderungen und Zerstörungen in der Völkerwanderung durch die Franken und Hunnen sowie später durch die Wikinger blieb Trier immer ein bedeutendes politisches, religiöses und romanisches Zentrum im Heiligen Römischen Reich und Europa.
  • Im Stadtarchiv finden die Schülerinnen und Schüler auch den Egbert-Codex und lernen den Gregormeister, den so genannten Leonardo da Vinci des 10 Jahrhunderts, kennen.
  • Anschließend lernen die Schülerinnen und Schüler mittelalterliche Monumente, deren Architektur und Bauweise sowie deren räumliche Anordnung kennen. Auf Basis dieser Kenntnisse lernen sie Bauten der romanischen Domimmunität auch unter Verwendung damaliger naturwissenschaftlicher Methoden selbst zu rekonstruieren und bauen diese digital nach.

4. Methodenlernen

Besonders begabte Kinder verfügen oftmals nur über wenige Lernstrategien, da sie diese in der Grundschulzeit nicht brauchten. Deshalb wurde für die fünfte Klasse ein spezielles Methodentraining eingeführt. Hier werden systematisch fächerübergreifende Lernmethoden und in einem zweiten Schritt Strategien des selbstgesteuerten Lernens vermittelt und eingeübt. Letzteres erfolgt über ein Projekt, in dem die Schülerinnen und Schüler ein selbstgewähltes Thema erarbeiten und präsentieren. Dieses Projekt gliedert sich in die lernstrategieorientierten Phasen: „Themenwahl“, „Informationssuche“ (z.B. Recherche, Anwendung von Lesestrategien), „Expertenarbeit“ (z.B. Übung von Schreibstrategien) und „Expertenvortrag“ (z.B. Umsetzung von Präsentationsstrategien), teilweise in Verbindung mit dem Fach ITG.

5. Projektorientiertes Lernen

Ab der 7. Klasse sind zunehmend Phasen des projektorientierten Lernens verankert. Im Bereich Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften werden zusätzliche Stunden für die Ausarbeitung und Durchführung von Projekten zur Verfügung gestellt. So werden Fachkenntnisse in den Fächern vertieft und fachspezifische Methoden erlernt. Es besteht die Möglichkeit, auch über die Lehrpläne hinaus Themen zu bearbeiten, die bei den Schülerinnen und Schülern auf besonderes Interesse stoßen.

6. Wahlpflichtbereich und Projektzeit

Ab der 8. Klasse können die Schülerinnen und Schüler durch die Wahl von Wahlpflichtfächern und Projektzeiten ihren Stundenplan stärker nach ihren persönlichen Begabungen und Neigungen gestalten. Im Wahlpflichtbereich besteht die Möglichkeit, eine vierte Fremdsprache zu erlernen oder die Fächer Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften oder Informatik als AG zu belegen.

Die Projektzeit findet im Umfang von drei Stunden an einem Nachmittag statt und kann durch Wahl verschiedener Angebote gestaltet werden: Möglich ist die Teilnahme an einem intensiven Training für die Mathematik-Olympiade, an der Theater-AG an einem Kurs „Sport und Wissenschaft“ oder an der Projektzeit „Denkwelten“. Letztere bietet den Schülerinnen und Schülern Zeit und Raum für freies und selbstgesteuertes Lernen an meist selbst gewählten Themen.

… und Persönlichkeit entwickeln ….

Neben der fachlichen Ausbildung ist uns von Anfang an auch die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung ein großes Anliegen. Während der ganzen Unter- und Mittelstufe führt der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin mit den Kindern und Jugendlichen Entwicklungsgespräche. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei die Gelegenheit, über ihre Arbeit, ihr Vorankommen, ihre eventuellen Probleme zu sprechen. Somit lernen sie wichtige Kompetenzen der Selbstreflexion und Entwicklung.

Darüber hinaus führen wir im ersten Halbjahr der fünften Klasse ein Persönlichkeitstraining durch. Ziel dieses Unterrichts ist es, die Persönlichkeit eines jeden Kindes zu stärken und auch die Sozialkompetenz auszubauen. Dies erfolgt vor allem durch Spiele und praktische Übungen, die eine gemeinschaftsfördernde Wirkung haben. Auch die Auswertung der Spiele hat einen festen Platz in diesem Unterricht. Außerdem werden u. a. diese Themen bearbeitet:

Selbstwahrnehmung/Fremdwahrnehmung, Kommunikation, Umgang mit Missverständnissen, selbstsicheres Auftreten, Umgang mit Angst und Stress, „Nein“-Sagen, Entscheidungen treffen, Bedeutung von und Umgang mit Gefühlen, Bedürfnisse anderer und eigene Bedürfnisse sowie Einhalten von Regeln.

Etwa zu Beginn des 2. Halbjahres der 5. Klasse wird der Klassenrat eingeführt, in dem ganz praxisnah kommunikative und soziale Kompetenzen geschult werden – wenn es zum Beispiel darum geht, Probleme in der Klasse gemeinsam zu lösen oder sich auf das Ziel eines Klassenausflugs zu einigen.

In der 7. und 8. Klasse wird das Fach KuG (Kommunikation und Gesellschaft) unterrichtet. In diesem Fach werden grundlegende Aspekte von Kommunikation und ihre Bedeutung im gesellschaftlichen Kontext erarbeitet, in Rollenspielen und Übungen erprobt und reflektiert. So werden zum Beispiel gängige Kommunikationsmodelle theoretisch erarbeitet und ebenfalls praktisch erprobt und reflektiert. Aber auch Themen wie „Wahrnehmung“, „Regeln und Systeme“, „Entwicklung von Sozialkompetenz“, Gruppendynamik u. ä. werden bearbeitet. Zum Abschluss des KuG-Unterrichts absolvieren die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der 10. Klasse ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung. Dieses Praktikum wird inhaltlich und organisatorisch ebenfalls im KuG-Unterricht vorbereitet. Gemeinsam werten und tauschen wir die Erfahrungen des viertägigen Praktikums in einem 1,5 tägigen Seminar aus.

Konzept der Hochbegabtenförderung für die Oberstufe

Alle Schülerinnen und Schüler, die am AVG nach der Mainzer Studienstufe (MSS) die Allgemeine Hochschulreife erwerben möchten, wählen aus dem Fächerkanon der Grund- und Leistungskurse, die wir an unserer Schule anbieten. Dies gilt auch für die Schülerinnen und Schüler der hbfis-Klasse, die die Leistungs- und Grundkurse zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Regelklassen besuchen. Dieses Konzept der integrierten Förderung in der Oberstufe – so können wir aus mittlerweile vielen Jahren Erfahrung berichten – hat sich auf jeden Fall bewährt. Schülerinnen und Schüler berichten, dass sich Vorbehalte und Ängste beim Übergang in die Oberstufe meist nach kürzester Zeit verflüchtigen. Vielmehr wird das nun gemeinsam stattfindende Lernen als Bereicherung empfunden.

Das Oberstufenkonzept basiert auf vier Grundsätzen: größtmögliche Wahlfreiheit, Integration in die Jahrgangsstufe, anspruchsvolles Niveau und Förderung der individuellen Begabungen und Neigungen.

Konkret gestaltet sich das Konzept folgendermaßen:

  • Wahl von Grund- und Leistungskursen gemäß den Vorgaben der Mainzer Studienstufe
  • Fortsetzung des bilingualen Sachfach-Unterrichts in Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde

Besuch eines Intensivkurses

Der Intensivkurs findet in der 11. und 12. Jahrgangsstufe statt. Er verfolgt außercurriculare Bildungsinhalte, die Schülerinnen und Schüler arbeiten stärker eigenverantwortlich, projektbezogen und fachübergreifend. Je nach Interesse kann verstärkt das mathematisch-naturwissenschaftliche Lernfeld oder das gesellschaftswissenschaftliche Lernfeld bedient werden. Alle Schülerinnen und Schüler nehmen (in einer Gruppe oder einzeln) an einem Wettbewerb teil. Außerdem ist die Veröffentlichung (Tageszeitung, AVG Homepage, AVG-Journal …) eines erarbeiteten Themas verpflichtend. Die Zusammenarbeit mit Universität und/oder Hochschule gehören ebenso zur Arbeit im Intensivkurs dazu.

Die Leistungen des Intensivkurses gehen zwar nicht in die Qualifikation für das Abitur ein, sie werden aber in einem Portfolio, das zusammen mit dem Abiturzeugnis ausgehändigt wird, ausführlich dokumentiert.

Diese Intensivkurse stehen auch anderen leistungsstarken Schülerinnen und Schülern des AVG bei entsprechender Begabung und Interesse bei hinreichendem Platzangebot offen.

Wahl von drei Angeboten nach Begabung und Neigung (Enrichment)

Während der Oberstufenzeit wählen die Schülerinnen und Schüler insgesamt drei sog. Angebote nach Begabung und Neigung. Wie die Bezeichnung schon verrät, sind diese Enrichments sehr individuell zu gestalten. Ein Enrichment kann z. B. sein: ein mehrtägiger Workshop, ein freiwilliges Grundfach, das Anfertigen einer Besonderen Lernleistung oder einer Facharbeit, die Teilnahme an einem Wettbewerb, zusätzliche Sprachzertifikate wie z. B. Certi-Lingua oder D.E.L.F.

Innerschulisches und außerschulisches soziales Engagement im Umfang von insgesamt 80 Stunden

Hochbegabtenförderung schließt eine Förderung der sozialen und emotionalen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler mit ein. Im Rahmen des Sozialen Engagements werden sie ermuntert, ihre besonderen Fähigkeiten in den Dienst der Schulgemeinschaft zu stellen und innerhalb der Gesellschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen.

Innerschulisch besteht zum Beispiel die Möglichkeit, jüngere Schülerinnen und Schüler bei der Behebung von Lerndefiziten zu unterstützen, bei der Organisation und Durchführung des alljährlichen Infotages oder auch anderer schulischer Veranstaltungen zu helfen, regelmäßige Beiträge für die Schülerzeitung zu schreiben o. ä. Auch die regelmäßige Teilnahme an den musikalischen Ensembles ist ein Dienst an der und für die Schulgemeinschaft.

Außerschulisch engagieren sich die Jugendlichen ehrenamtlich als Trainer/innen in den unterschiedlichsten Vereinen, in der Pfarrgemeinde, in Gemeindebibliotheken oder Jugendzentren. Auch die Betreuung von Ferienzeiten für Kinder und Jugendliche ist als außerschulisches Engagement zu sehen, ebenso wie der regelmäßige Besuch von in Heimen lebenden alten Menschen – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Zusätzlich zum allgemeinen Berufspraktikum zwei Wochen Praktikum nach Wahl

Das Praktikum dient einer weiteren und vertieften beruflichen und/oder fachlichen Orientierung. Die Wahl eines geeigneten Praktikumsplatzes liegt in erster Linie in der Verantwortung des Jugendlichen, bei Bedarf bietet die Schule natürlich Unterstützung an.

Man kann für sich entscheiden, ob man ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb absolviert oder aber in zwei Betrieben jeweils eine Woche verbringt.

Mit diesem erweiterten Oberstufenangebot möchten wir die Schülerinnen und Schüler dazu motivieren, persönliche Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln. Auch wenn dies nicht immer in schulischen Leistungskategorien abgebildet wird, dient dieses Zusatzangebot sowohl der fachlichen als auch der persönlichen Weiterentwicklung der Jugendlichen.

Alle über die MSS-Anforderungen hinausgehenden wahrgenommenen Angebote werden zu jedem Halbjahr auf einem Beiblatt zum Zeugnis dokumentiert. Alle Schülerinnen und Schüler, die am hbfis-Programm teilgenommen und alle Anforderungen erfüllt haben, erhalten mit dem Abiturzeugnis ein Zertifikat, in dem alle diese zusätzlichen Leistungen dokumentiert sind. Mit diesem Zertifikat können die Jugendlichen dokumentieren, dass sie bereits zu Schulzeiten bereit waren, über das geforderte Maß hinaus Leistung zu erbringen, ihren Horizont zu erweitern und sich für andere zu engagieren. In Situationen der Bewerbung um einen Studien-, Stipendien- oder Ausbildungs-/Praktikumsplatz kann dies ein wichtiges Dokument sein, sich gegenüber Mitbewerbern abzuheben.

Die Enrichmentangebote stehen als Einzelmodule allen interessierten Schülerinnen und Schülern der Oberstufe offen. Es ist aber auch ein Quereinstieg in den hbfis-Bildungsgang nach dem Abschluss der Mittelstufe möglich. Voraussetzung dafür ist ein diagnostisches Gutachten, die Empfehlung der Klassenlehrerin/des Klassenlehrers sowie eine Beratung durch die hbfis-Leitung.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich Hochbegabung?

Das ist tatsächlich nicht ganz einfach, aber es gibt ein paar Hinweise, bei denen man als Eltern, aber auch als Lehrerin und Lehrer hellhörig werden sollte: Manche Kinder fallen möglicherweise in der Kindergarten- und Grundschulzeit dadurch auf, dass sie eine besonders schnelle Auffassungsgabe besitzen, einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit haben, sich in bestimmten Gebieten ein erstaunlich umfangreiches Spezialwissen angeeignet oder einen für ihr Alter ungewöhnlich umfangreichen Wortschatz haben. Auch ein besonders gutes Gedächtnis kann mit einer Hochbegabung einhergehen. Oder die Kinder löchern ihre Eltern – und Lehrer – mit ständigen Fragen und bringen diese damit an ihre Grenzen. Oder sie beschäftigen sich schon sehr früh und intensiv mit Zahlen oder aber mit philosophischen Fragen und denken über den Sinn des Lebens oder auch über den Tod nach. All das muss nicht, kann aber auf eine Hochbegabung hindeuten.
Sicher feststellen lässt sich eine Hochbegabung allerdings nur mit einem diagnostischen Test (Intelligenztest)

Muss mein Kind in allen Bereichen hochbegabt sein?

In der Regel sind die Begabungen und Interessen bei Kindern nicht in allen Bereichen gleich stark. Unser Konzept hat entsprechend unterschiedliche Schwerpunkte. In dem einen Bereich wird das Kind möglicherweise besser zurechtkommen als in dem anderen. Dies ist nicht nur nicht schlimm, sondern sogar wünschenswert, da auch hochbegabte Kinder die Erfahrung machen sollten, dass ihnen nicht alles zufliegt, sondern dass sie sich auch anstrengen müssen. Dies ist wichtig, damit Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz aufgebaut werden können.

Wie erfolgt die Aufnahme in die Klasse?

Wir führen ein sehr ausführliches Aufnahmeverfahren durch, damit wir die Kinder in möglichst vielen Facetten kennenlernen können. Der erste Schritt ist die schriftliche Bewerbung. Die Bewerbungsunterlagen stehen hier auf der Homepage zum Download bereit. Den ausgefüllten Bewerbungsbögen fügen Sie bitte alle Grundschulzeugnisse sowie ein Passfoto Ihres Kindes bei. Sollten Ergebnisse von diagnostischen Tests bereits vorliegen, legen Sie die gerne mit dazu – dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Gerne können Sie auch eine Empfehlung der Grundschullehrerin oder des Grundschullehrers beilegen. Aber auch das ist nicht unbedingt erforderlich.
Sobald uns die Bewerbungsunterlagen vorliegen, laden wir Sie als Eltern mit Ihrem Kind zu einem Interview ein. Auf der Grundlage der Bewerbungsunterlagen und des Interviews erhalten Sie vor den Weihnachtsferien eine Benachrichtigung, ob Ihr Kind zum Probeunterricht eingeladen wird. Dieser findet in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien am Donnerstag (7. Januar) statt. Am 8. Januar werden für alle Kinder hier an der Schule diagnostische Tests durchgeführt – unabhängig davon, ob bereits bei der Bewerbung eine Testung mit eingereicht wurde.
Im Laufe der darauffolgenden Woche werden Sie dann von der Schule informiert, ob wir Ihrem Kind einen Platz in der Hochbegabtenklasse anbieten oder ob wir den Besuch einer Regelklasse empfehlen.
Für alle Eltern, deren Kinder am Auswahlverfahren teilgenommen haben, bieten wir Beratungsgespräche an.

Müssen die Kinder nach dem langen Schultag auch noch zu Hause Hausaufgaben machen?

Im Stundenplan ist eine tägliche Hausaufgabenzeit fest integriert. In dieser Zeit haben die Kinder die Möglichkeit, ihre (schriftlichen) Hausaufgaben zu erledigen. Schriftliche Hausaufgaben werden nicht von einem Tag zum anderen aufgegeben, es müssen immer mindestens zwei Hausaufgabenzeiten dazwischenliegen. Wenn es den Schülerinnen und Schülern gelingt, diese Zeiten effektiv zu nutzen, sollten abends keine schriftlichen Hausaufgaben gemacht werden müssen. Das Vor- oder Nachbereiten von Unterricht sowie das Lernen der Vokabeln ist davon ausgenommen.
Die Organisation der Hausaufgaben ist für einige Kinder nach der Grundschulzeit eine große Herausforderung – da jetzt Hausaufgaben in vielen verschiedenen Fächern und zu unterschiedlichen Tagen gemacht werden müssen. Wir unterstützen die Kinder vor allem in den ersten Monaten intensiv darin, diese Herausforderung zu meistern.
Folgende Faustregel gilt: unter der Woche incl. Wochenende sollten die Kinder zu Hause nicht länger als zwei Stunden an schriftlichen Hausaufgaben sitzen.

Kann mein Kind neben der Ganztagsschule noch Hobbies weiter betreiben?

Grundsätzlich befürworten wir es sehr, wenn Ihr Kind neben der Schule zum Ausgleich auch Hobbies hat. Je nach dem, wie viele Hobbies ihr Kind pflegt oder wie intensiv, kann es allerdings sein, dass Abstriche gemacht werden müssen – sei es, dass ein Hobby aufgegeben werden muss oder weniger intensiv betrieben werden kann.
Nichtsdestotrotz pflegen viele unserer hbfis-Schülerinnen und Schüler auch neben der Ganztagsschule ihre Hobbies mit Freude und Gewinn weiter.

Verlieren die Kinder durch das umfangreiche Ganztagskonzept nicht die Möglichkeit, Kind sein zu können?

Kinder sind sehr unterschiedlich. Sie unterscheiden sich in ihren Begabungen, ihren Interessen, ihrem Temperament, ihrer Motivation, ihren Bedürfnissen …. Viele besonders begabte Kinder erleben die Ganztagsschule nicht als ein Wegnehmen von Spielzeit, sondern als ein Gewinn von Lernzeit. Wir hören immer wieder von Kindern, dass sie sich gelangweilt haben, weil der Grundschulunterricht schon am Mittag zu Ende war.
Wir achten darauf, dass gerade in der 5. und 6. Klasse am Nachmittag solche Fächer liegen, die offener und freier unterrichtet werden und auch Raum für Bewegung bieten.

Und wie ist das, wenn es meinem Kind doch zu viel wird?

Durch das umfangreiche Auswahlverfahren (Bewerbungsunterlagen, Interview, Probeunterricht, diagnostische Tests) haben wir ein sehr umfangreiches und vielfältiges Bild Ihres Kindes und können recht gut einschätzen, ob sich Ihr Kind voraussichtlich in der Klasse gut entwickeln wird. Dies führt dazu, dass nur sehr wenige Kinder den Bildungsgang bis zur 10. Klasse abbrechen.
Zudem haben wir Ihr Kind sehr gut im Blick und können frühzeitig gegensteuern, wenn etwas schiefläuft. Sollte sich trotz allem der Wechsel in eine Regelklasse als bessere Option erweisen, ist dies möglich, wenn die Regelklassen entsprechende Kapazitäten haben.

Wie entwickeln sich die Noten in diesem Bildungsgang?

Das Notenbild verändert sich meistens im Übergang zu einer weiterführenden Schule – egal in welche Klasse man kommt. So ist das auch in der Hochbegabtenklasse. Viele Schülerinnen und Schüler machen erstmals am Gymnasium die Erfahrung, dass die Notenskala nicht bei „2“ endet. Das ist normal und u. a. der Tatsache geschuldet, dass die Anforderungen – auch in organisatorischer und methodischer Hinsicht – am Gymnasium höher sind. Wichtig ist, dass sowohl Eltern als auch Kinder dies zunächst einmal gelassen hinnehmen und nicht bei der ersten schlechteren Note die Entscheidung für diesen Bildungsgang in Frage stellen. Auch hochbegabte Kinder können und müssen nicht ständig Bestleistungen erbringen.
Wie für alle Schülerinnen und Schüler gelten auch für die Hochbegabtenklasse die ersten beiden Schuljahre des Gymnasiums als Zeit der Orientierung. In diesen beiden Jahren haben die Kinder Zeit sich an die Umstellung und an die neuen Anforderungen anzupassen. Natürlich begleiten wir die Kinder in diesem Prozess sehr intensiv und geben Unterstützung wo Unterstützung gebraucht wird. Besonders wichtig ist hier die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus – im Sinne einer Erziehungspartnerschaft.

Wie ist das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen?

Die Bewerberlage sieht oft so aus, dass sich mehr Jungen als Mädchen für diese Klasse bewerben – obwohl es keinen Geschlechterunterschied bei der Hochbegabung gibt.
Diese ungleiche Bewerberlage hat andere Ursachen – u. a. liegt es z.B. daran, dass Mädchen sich eher an ihre Umwelt anpassen, während Jungen sich eher mit auffälligem Verhalten bemerkbar machen (aber Vorsicht: nicht jede Verhaltensauffälligkeit ist mit nicht erkannter Hochbegabung zu erklären!). Manchmal trauen auch Eltern Ihren Mädchen weniger zu als Jungen. Wir weisen die Grundschulen immer daraufhin, ihr Augenmerk besonders auch auf begabte Mädchen zu lenken. Bei der Auswahl wird ein ausgeglichenes Verhältnis von Mädchen und Jungen angestrebt.

Wie ist die Integration in die Schulgemeinschaft?

Die Hochbegabtenklasse ist in jedem Jahrgang eine von insgesamt vier oder fünf Parallelklassen. In den meisten Fächern werden alle Klassen im Klassenverband unterrichtet. Im Religions- bzw. Ethikunterricht sind die Gruppen jedoch klassenübergreifend, sodass sich hier die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassen treffen. Auch das Angebot von AGs ist für alle Klassen gleich, sodass es auch hier Begegnungen gibt. Das gleiche gilt auch für die Wahlpflichtfächer sowie die Projektzeiten, die für die Hochbegabtenklassen verpflichtend, für die Regelklassen fakultativ sind. Auch hier mischen sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassen und teilweise auch unterschiedlicher Jahrgangsstufen. In der Oberstufe wird das Konzept der separierten Förderung schließlich zugunsten einer integrierten Förderung aufgegeben.
Wie alle anderen Schüler auch werden die Schülerinnen und Schüler der Hochbegabtenklassen im Sinne der Unesco-Projektschule erzogen und nehmen selbstverständlich genau wie alle anderen an Schulveranstaltungen jeder Art teil

(Anm.: Während der Corona-Pandemie sind klassen- oder jahrgangsstufenübergreifende AGs und Projektzeiten nicht möglich.)

Mehr zu:

Login