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- Mitgliederrundbriefe
Neujahrsbrief der Indienpartnerschaft
- Von: Daniela Maly, Fotos: mly
- 26. Februar 2026
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An alle Mitglieder, Freunde und Unterstützende der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums
Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützende,
für das neue Jahr 2026 wünscht Ihnen der Vorstand der Indienpartnerschaft viel Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit. Wir möchten uns bei Ihnen mit diesem Mitgliederrundbrief für die Unterstützung im Jahr 2025 bedanken und Sie über die Neuigkeiten im Verein und in den Projektregionen in Indien informieren.
Die Vorstandswahlen der Indienpartnerschaft im März 2025 haben Veränderungen mit sich gebracht. Als neue Vorsitzende wurden Frank Wintersinger (2. Vorsitzender) und Daniela Maly (1. Vorsitzende) gewählt. Wir arbeiten beide seit vielen Jahren am AVG und im Vorstand der Indienpartnerschaft mit und kennen die Projekte und Projektpartner. Hermann Anton und Edith Ehmer sind nach 13 Jahren von ihren Ämtern als Vorsitzende zurückgetreten. Edith Ehmer ist seit August 2025 im Ruhestand und Hermann Anton ist im Schuljahr 2025/2026 im Sabbatjahr. Wir möchten uns recht herzlich für die wunderbare Arbeit bedanken, die Hermann und Edith in den vergangenen Jahren für die Partnerschaft geleistet haben. Unermüdlich und voller Motivation haben sie alle Projekte im Blick behalten und der Schulgemeinschaft immer wieder ermöglicht, über den Tellerrand nach Indien zu schauen. Wir sind froh, dass die beiden auch weiterhin Teil des Vorstands der Indienpartnerschaft bleiben und uns mit ihrer Erfahrung und Expertise weiter unterstützen und beraten werden.
Am Freitag, dem 2. Mai 2025 fand unser letztjähriger unesco-Projektschultag statt. Unser Ziel war es, 16.500€ an Spenden zu erwandern, um einer Grundschule im Dorf Kanakkankuppam im Projektgebiet der PMD (People’s multipurpose development) den Bau von dringend benötigten Schultoiletten zu finanzieren. Der in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Schule drohte ansonsten die Schließung, was fatal wäre für die 140 meist kastenlosen Kinder, die in dem Dorf im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu diese Schule besuchen. Aber auch ohne die drohende Schulschließung ist ein Schulbesuch ohne Toilettenzugang nicht nur eine Zumutung, sondern die Kinder setzen sich auch Gefahren und gesundheitlichen Risiken aus, wenn sie zu wenig trinken, um nicht zu müssen, oder wenn sich alle rund um die Schule erleichtern und sich dadurch Krankheiten verbreiten.
Die Sternwanderung war mit 18.460,35€ so erfolgreich, dass der Bau der Toiletten und noch weitere Projekte finanziert werden konnten. So war es uns auch im vergangenen Jahr möglich, 5000€ an die PMD zu überweisen, um das über viele Jahre wirksame Stipendiatenprogramm weiterhin zu unterstützen. Die in Indien anfallenden Prüfungsgebühren können dazu führen, dass manche Schüler*innen oder Student*innen die Schule nicht abschließen, weil die Familie das Geld für die Prüfungsgebühr nicht aufbringen kann. Die PMD hat diese Fälle im Blick und unterstützt die Schüler*innen und Student*innen mit einem Stipendium.
Die PMD feierte im November 2025 ihr mittlerweile 50-jähriges Jubiläum. Aber auch unsere Zusammenarbeit mit dieser NGO währt bereits seit 25 Jahren. Dies zeugt von Kontinuität und erfolgreicher Arbeit der PMD im Distrikt Villuppuram (Tamil Nadu), aber vor allem auch von Vertrauen und Freundschaft zu den Menschen in der PMD, allen voran zu Dr. Arokiasamy, dem langjährigen Leiter, zu seinem Sohn Anbarasu, der den Vorsitz der Organisation übernehmen wird, und zu Sagayamary, der Ehefrau und Vorsitzenden der Unterorganisation LMW (Liberation movement for women), die auch als Gemeindevorsteherin in Kakkanur politisch tätig ist.
Neues Großprojekt mit unserer Unterstützung geplant
Die PMD ist nah dran an den Menschen in den Dörfern und unterstützt die Kleinbauern und deren Familien, sei es, dass es um die schulische Bildung der Kinder geht oder auch um die ökologische Weiterbildung im dringend nötigen Umbauprozess der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels. Aus diesem Grund möchten wir ein weiteres Großprojekt der PMD unterstützen. Aufbauend auf dem im Jahr 2024 abgeschlossenen Projekt, das mit finanzieller Unterstützung des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eine überaus erfolgreiche, nachhaltige Entwicklung in 20 Kommunen initiiert hat, wird im Frühjahr 2026 beim BMZ ein neuer Projektantrag gestellt werden, um ein weiteres Dreijahresprojekt zu unterstützen. Das Projekt mit dem Titel „Eigenorganisiertes und nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen für höheres Einkommen, bessere Gesundheit und bessere Ernährung“ soll nach Rückmeldung von Entwicklungsexperten auf 20 Dörfer ausgeweitet werden und eine Projektsumme von insgesamt 396.704€ umfassen.
Im Gegensatz zu anderen Teilen Indiens, die eine schnellere Industrialisierung erleben, ist der Distrikt Villuppuram, in dem die PMD tätig ist, immer noch überwiegend ländlich und weniger entwickelt. Der Landwirtschaftssektor ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region und bildet die Grundlage der lokalen Wirtschaft. Das Pro-Kopf-Einkommen von Villuppuram beträgt ca. 1.450€ im Jahr (Gesamtindien: 2.348€, Chennai: 4.400€). Die Wirtschaftsleistung verteilt sich zu 35 % auf die Landwirtschaft, zu 20 % auf die Industrie und zu 45 % auf den Dienstleistungssektor. Auch die Alphabetisierungsquote von nur 60 % zeugt davon, dass der vielgepriesene wirtschaftliche Aufschwung Indiens in manchen ländlichen Regionen kaum ankommt. Hinzu kommt der Klimawandel, der in dieser Region durch lange Dürreperioden und Überschwemmungen nach Starkregenphasen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellt. Viele Kleinbauern reagieren darauf mit unsachgemäßer Verwendung von Düngemitteln.
Das Projekt setzt genau hier an. Die Bauern sollen geschult werden und durch den Anbau klimaresistenterer Pflanzen und den Einsatz biologischer Anbaumethoden ihre Erträge erhöhen. Darüber hinaus sollen die Menschen im Hinblick auf Hygiene, Gesundheitsvorsorge und Ernährung weitergebildet werden. Jugendliche möchte man durch Förder- und Motivationsprogramme erreichen. Dabei soll die schlechte schulische Ausstattung der Landschulen mit Computern und Tablets verbessert und insbesondere Mädchen im Umgang mit diesen gefördert werden, um ihnen eine bessere Ausbildungs- und Berufsperspektive zu bieten. Aber auch die Einkommenssituation der einkommensschwachen Familien wird in diesem Projekt in den Blick genommen. Dabei haben insbesondere die Frauen kaum Einfluss auf das Einkommen oder auf Entscheidungen zu notwendigen Anschaffungen. Ihnen fehlen Kenntnisse darüber, wie man Geld sinnvoll anlegt oder Kleinkredite als Startkapital für selbstständiges Arbeiten erlangen kann. Sie sollen daher gezielt weitergebildet werden, damit sie im häuslichen Umfeld Tätigkeiten aufbauen können, die der Familie ein Einkommen verschaffen. Das BMZ wird für dieses Projekt 75% der Investitionssumme übernehmen, die PMD übernimmt 15% und die Indienpartnerschaft des AVG wird 10% der Summe in vier Raten bis 2029 übernehmen. Der diesjährige Spendenlauf wird also ganz im Sinne dieses Projektes stehen.
Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen am unesco-Projektschultag am Mittwoch, dem 29. April 2026 vorbeizukommen und die Schüler*innen anzufeuern, die auf einem Rundkurs AVG – Domfreihof – Sieh um dich – AVG für diesen guten Zweck laufen werden.
St. Anthonys School in Cowdalli
Der zweite Kernpunkt unserer Arbeit und die eigentliche Keimzelle des Indienvereins, die St. Anthony‘s School in Cowdalli im Bundesstaat Karnataka, haben wir im letzten Jahr mit 15.000 € unterstützt. Mit diesem Geld konnten wir wie in den vergangenen Jahren dazu beitragen, dass die notwendigen Schulgebühren gering bleiben und zahlreiche Kinder die Schule sogar kostenlos besuchen können.
Auch in Cowdalli muss die Schülerschaft zukunftsfähig ausgebildet werden und den Umgang mit Tablets und Computern lernen. Deswegen haben wir zusätzlich Computer im Wert von 4000€ finanziert, um die Grundlagenvermittlung zu ermöglichen. Unsere Zusammenarbeit mit der St. Anthony‘s School im Bundesstaat Karnataka besteht nunmehr seit fast 30 Jahren. Aufgrund unserer kontinuierlichen Unterstützung hat sich die Schule seit unserem ersten Besuch stark gewandelt. Sie bietet 1185 Schüler*innen eine solide Schulbildung, mittlerweile auch in einem English Medium Zweig mit 526 Schüler*innen, in dem der Unterricht auf Englisch stattfindet, und sogar mit einer Oberstufe, die zum College-Abschluss führt, die im letzten Schuljahr von 127 Schüler*innen besucht wurde. Diese Erfolge werden uns immer auf das Engste mit der St. Anthony‘s School verbinden und diese Verbundenheit wird auch weiterhin verknüpft bleiben mit Verantwortung für die Menschen, die wir über so viele Jahre begleitet haben. Im Sinne einer selbstbestimmten, nachhaltigen Entwicklung möchten wir allerdings die regelmäßige finanzielle Unterstützung in den kommenden Jahren sukzessive weiter reduzieren und der Schule mehr Eigenverantwortung übertragen.
Indien – der Global Player
Die Entwicklung in Cowdalli erscheint modellhaft für die ganze Nation. Aus einem nach der Kolonialzeit ausgebeuteten und verarmten Land, das dringend auf Unterstützung angewiesen war, hat sich ein zunehmend selbstbewusst auftretender Staat entwickelt.
Wenn Indien bei uns in den Nachrichten auftaucht, dann zunehmend als Global Player, der sowohl von Putin als auch von der EU und von Friedrich Merz umgarnt wird. Putin möchte sein Öl verkaufen können und das wirtschaftlich und industriell aufstrebende Indien ist auf Öl angewiesen. Deutschland braucht Indien einerseits als Absatzmarkt für Exportprodukte, andererseits aber auch, um Fachkräfte zu finden, sei es in der IT und KI-Branche oder auch im Handwerk oder in der Pflege. Die größte und in demografischer Hinsicht jugendlichste Demokratie der Welt erscheint uns dabei als natürlicher Verbündeter mit ähnlichen Interessen. Dabei übersehen wir gerne, dass die zunehmende Entwicklung des Landes immer mehr eine eigene Positionierung erlaubt, die ein gegenseitiges Miteinander auf Augenhöhe erfordert. Außerdem ist Indien bis heute ein Land der unglaublichen Gegensätze, nach wie vor überfordert mit der immer noch zu armen und wenig gebildeten Landbevölkerung, die wir mit der PMD und in Cowdalli weiterhin unterstützen wollen, wobei auch wir von den Menschen in Indien, Ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihren Entwicklungen lernen wollen, damit aus der einseitigen Abhängigkeit Gleichberechtigung entsteht.
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung unserer Indienpartnerschaft und wünschen Ihnen ein gesundes und erfreuliches neues Jahr, in dem hoffentlich der Durchbruch zu Frieden in den einzelnen Krisenregionen erfolgt.
Daniela Maly, 1. Vorsitzende
Frank Wintersinger, 2. Vorsitzender
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- Mitgliederrundbriefe
Mitgliederrundbrief der AVG Indienpartnerschaft 2025
- Von: Dr. Hermann Anton, Edith Ehmer
- 15. Februar 2025
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An alle Mitglieder, Freunde und Unterstützende der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier
Liebe Mitglieder und Freunde,
der Vorstand der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier wünscht Ihnen allen ein gesundes und glückliches Jahr 2025. Wir möchten uns bei Ihnen in diesem Brief aber auch für Ihre Unterstützung im Jahre 2024 bedanken.
Die Nichtregierungsorganisation People’s Multipurpose Development Society, kurz PMD, wurde 1975 gegründet, um den Dalits, den Kastenlosen oder Unberührbaren, eine Stimme zu geben. Seitdem bemühen sie sich um die Verbesserung der Lebensumstände der bitterarmen, benachteiligten Bevölkerung im ländlichen Indien. 50 Jahre PMD – eine Wegmarke, zu der wir ganz herzlich gratulieren wollen.
Die PMD wurde zu einer Zeit gegründet, als Indira Gandhi, die Tochter von Jawaharlal Nehru, dem ersten Ministerpräsidenten Indiens und Weggefährten von Mahatma Gandhi, das Land mit eiserner Faust regierte. Erschüttert von verschiedenen Skandalen schränkte sie die Bürgerrechte stark ein und die zentral gelenkte Volkswirtschaft förderte Korruption und Vetternwirtschaft. Trotz vereinzelter staatlicher Förderprogramme und Hilfsmaßnahmen litt vor allem die ländliche Bevölkerung unter starker Armut und extremer gesellschaftlicher Benachteiligung. Die einfache Subsistenzwirtschaft reichte kaum zum Überleben und Religion und gesellschaftliche Tradition hielten die Menschen in ihrer Zwangslage gefangen. Erst der Mut und die unermüdliche Tatkraft der Gründer der PMD gab den Benachteiligten eine Stimme, sich für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ihrer Dörfer einzusetzen.
Seit Indira Gandhi hat sich natürlich viel verändert in Indien. Die Wirtschaft wurde zunehmend dereguliert und privatisiert und die Integration Indiens in die Weltwirtschaft führte zu einem beschleunigten Fortschritt mit hohen Wachstumsraten. Davon profitiert heute eine immer größer werdende Mittelschicht vor allem in den urbanen Regionen. Behindert wird das Wachstum jedoch durch die fehlende oder vielfach veraltete Infrastruktur, was die ländlichen Gebiete immer weiter an den Rand drängt. Die zunehmend ungleiche Einkommensverteilung, die hohe Arbeitslosigkeit und die immer noch vorhandene große Armut führen zu verstärkten Konfliktpotentialen, die sich in jüngster Vergangenheit populistische, national-religiöse Strömungen und Parteien zunutze machen.
Gegen diese Entwicklungen kämpft die PMD nun schon seit 50 Jahren, und seit über 20 Jahren unterstützt die Indienpartnerschaft des AVG sie in ihrem Bemühen gegen Benachteiligung, Ungleichheit und Armut, finanziell maßgeblich gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). In den ersten Dreijahresprojekten wurde der Fokus vor allem auf die Entwicklung der Infrastruktur gelegt. Es wurden Schulen gebaut, Brunnen errichtet, die Gesundheitsversorgung verbessert, sanitäre Anlagen errichtet und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort geschaffen. Im Laufe der Zeit verschob sich der Schwerpunkt der Förderung jedoch hin zu einer Verbesserung der Lebens- und Erwerbsmöglichkeiten, um den Menschen eine auskömmliche Existenz auf dem Land zu gewährleisten. Mit der Förderung von Kleinstunternehmen, der Bereitstellung von Milchkühen und der Entwicklung einer gemeinschaftlichen Milchwirtschaft, den Schulungen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten hin zu einer nachhaltigen und ökologischen Lebensmittelerzeugung, der Aufwertung des ländlichen Umfelds durch Wiederaufforstungsmaßnahmen sowie der Stärkung der sozialen Strukturen durch Gründung von Kooperativen und Selbsthilfegruppen schafft es die PMD, die Menschen in den Dörfern zusammenzuführen, über alle Religionsgrenzen hinweg. Alle diese Projekte haben die Schülerinnen und Schüler des AVG anlässlich der Projekttage durch Spendensammelaktionen maßgeblich unterstützt. Das letzte offene Projekt wurde im Jahr 2024 abgeschlossen.
Die Berichte über die durchgeführten Maßnahmen zeigen, wie alle diese Ansätze zu einer nachhaltigeren Nutzung der Umwelt führen und zur Sicherung der Versorgung der Dorfbewohner beigetragen haben. So hat sich zum Beispiel die Nutzung von Kunstdünger in den letzten Jahren fast halbiert. Damit sinkt die Abhängigkeit der Bauern von den Konzernen und gleichzeitig wird die Bodengesundheit verbessert. In Zeiten des Klimawandels haben die Bauern mit extremeren Wetterereignissen zu rechnen. Ein besonders heftiger Taifun fegte gegen Jahresende über das Land und überschwemmte weite Landstriche. Mehr als 800 Menschen mussten aus ihren überfluteten Häusern gerettet werden, ganze Dörfer waren abgeschnitten und die Stromversorgung war unterbrochen. Als Soforthilfe haben wir 5000 Euro überwiesen, mit denen 293 Familien mit dem Lebensnotwendigsten versorgt wurden. Im Unterschied zu früheren Jahren und Extremereignissen war die Landwirtschaft insgesamt vor langfristigen Schäden jedoch wesentlich besser gefeit. Die Förderprogramme der vergangenen Jahre hatten die Menschen darin geschult, ihre Felder und Gärten resilienter zu machen, u.a. indem sie dafür Vorsorge trafen, dass Hochwasser schneller wieder abfließen kann.
Die Erfolge dieses ganzheitlichen Ansatzes gilt es nicht nur zu bewahren. Das Projektgebiet soll sukzessive ausgeweitet werden und mehr Dörfer einbeziehen. Die offiziellen Anträge für die Fortführung des Programms sind in der Vorbereitung, wobei das durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir haben uns jedenfalls bereit erklärt, die PMD in diesem Sinne weiter zu unterstützen. In der Zwischenzeit wollen wir uns aber nicht zurücklehnen, sondern gezielt Projekte zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen unterstützen.
Ein zentraler Weg, Armut zu überwinden, ist schulische Bildung für Jungen und Mädchen. Auch darin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. In diesem Rahmen haben wir auch dieses Jahr wieder 5000 Euro für das Stipendiatenprogramm zur Förderung von 51 Studentinnen und 38 Studenten aus dem ländlichen Bereich überwiesen. Für die Schulkinder haben wir mit der Summe von 5250 Euro Schulrucksäcke finanziert. Als neues Projekt für das Jahr 2025 denken wir an den Bau von Toilettenanlagen an Schulen. Vielen Schulen fehlen eigene Toiletten; die Kinder sind daher darauf angewiesen, dass sie sich außerhalb des Schulgeländes einen Ort suchen, an dem sie ihr Bedürfnis erledigen können. Damit sind sie aber allerlei Risiken ausgesetzt, darunter mangelnder Hygiene und daraus resultierenden Erkrankungen.
Ein anderer Schwerpunkt ist für uns seit mehr als 25 Jahren die Unterstützung der St Anthony’s School in Cowdalli. Für das Schuljahr 2024/25 haben wir der Schule 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Auch wenn das längst nicht mehr reicht, um die jährlichen Kosten aufzufangen – denn auch dort steigen die Preise und die Lehrergehälter müssen entsprechend angepasst werden – so ist es doch ein wichtiger Posten im Schulhaushalt. So können zum Beispiel Ausfälle im Schulgeld kompensiert werden, so dass Jungen und Mädchen trotz fehlender Geldmittel weiterhin am Unterricht teilnehmen können. In der St Anthony’s School mit ihrem landessprachlichen Schwerpunkt (die Landessprache Karnatakas ist Kannada) werden zur Zeit 553 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. In der Primary School verteilen sich 100 Jungen und 134 Mädchen auf die Klassenstufen 1-7. Die eigentliche High School mit den Klassen 8-10 besuchen insgesamt 149 Schülerinnen und Schüler (64 J, 85 M). Im PUC absolvieren 49 Studenten und 84 Studentinnen die beiden Vorbereitungsjahre für das eigentliche College in den Zweigen „Arts“ sowie „Commerce“. Auffällig ist der hohe Anteil an Mädchen, die insgesamt mehr als 60% der Schülerschaft stellen.
Aufmerksame Leserinnen und Leser der letzten Jahresberichte werden feststellen, dass die Schülerzahlen der St Anthony’s School sich seit Corona wieder deutlich erholt haben und auf einem guten Niveau befinden, aber nicht an vergangene Höchstzahlen von über 700 Schüler heranreichen. Das gleichzeitige Angebot eines englischsprachigen Zweigs, der wirtschaftlich unabhängig geführt wird, wird vor allem von Eltern aus aufstrebenden Schichten bevorzugt, die sich das höhere Schulgeld leisten können und wollen. Aber die guten Zahlen des Kannada-Zweiges zeigen, dass die Schule gerade für benachteiligte Familien und insbesondere Mädchen ein wichtiges Bildungsangebot sind und bleiben. Und gerade für diese sind die Zugänge zu modernen Medien leider keine Selbstverständlichkeit. Es ist daher umso wichtiger, dass die ländliche Schule eine Möglichkeit zum Erwerb von Medienkompetenz bietet. So erging an uns die Bitte, 15 Computer sowie 2 Beamer und einen Kopierer zu finanzieren.
Diese Bitte wurde an die Indienreisenden herangetragen, die im Herbst 2024 besonders eindrückliche Tage in Cowdalli erlebten. Wir sind immer wieder dankbar für die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler des AVG zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern sich auf die Reise begeben, um vor Ort die Situation zu erfahren, die Projekte zu besuchen und Land und Leute kennenzulernen. Das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Bildungsarbeit hier an unserer Unesco-Projektschule und es ermöglicht uns, über die Jahre einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Projekte zu bekommen. Die Berichte der Schülerinnen und Schüler über ihre Erfahrungen können Sie auf der AVG-Homepage nachlesen. Wir möchten Sie aber auch herzlich zu den legendär gewordenen Indienabenden einladen, an denen Sie nicht nur an den Erfahrungen und Eindrücken der Indienreise in Bildern und Berichten der Reisenden teilhaben können, sondern auch die wunderbare Welt der indischen Gerichte und Gewürze erleben können. Das Programm wird jeweils am 8. und 9. März im Klosterbau des AVG präsentiert. Ausführlichere Informationen finden Sie auf der AVG-Homepage unter https://avg-trier.de/mitteilung/indienabende-am-avg-2/. Save the date!
Im Jahr 2025 finden wieder die Vorstandswahlen statt. Es werden sich einige personelle Veränderungen ergeben, da wir beide den Vorsitz abgeben. Obwohl oder gerade weil wir die Arbeit des Indienvereins als sinnstiftend für die Schule, aber auch uns selbst erleben durften, werden wir im bzw. ab dem Schuljahr 2025/26 nicht für den Vorsitz zur Verfügung stehen, weil wir nicht mehr am Schulalltag beteiligt sein werden. Für den einen ist es (nur) ein Sabbatjahr, für die andere der Eintritt in die Zeit nach dem Arbeitsleben. Allerdings heißt das nicht, dass wir dem Indienverein den Rücken kehren werden. Er ist eine Art Heimat für uns und alle, die die Sehnsucht nach der Ferne, das Interesse für Interkulturalität und das Engagement für eine globale Welt verbinden wollen. Wir möchten aus diesem Anlass auch alle Interessierte zur Arbeit im Vorstand einladen. Wir hoffen, dass sich alle angesprochen fühlen, die das Lernen über eine andere Kultur und die Vermittlung dieses Wissens fasziniert, die die nachhaltige Unterstützung unserer Projektpartner interessiert und/oder die Spaß haben an der Planung und Organisation von Schulaktionen und Schüleraktivitäten. Sprechen Sie uns an oder schreiben Sie uns: .
Dr. Hermann Anton
Edith Ehmer
- Mitgliederrundbriefe
Mitgliederrundbrief der AVG Indienpartnerschaft 2024
- 10. Januar 2024
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Liebe Mitglieder und Freunde,
der Vorstand der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier wünscht Ihnen allen ein gesundes und glückliches Jahr 2024. Wir möchten uns bei Ihnen in diesem Brief aber auch für Ihre Unterstützung im Jahre 2023 bedanken.
Im Sommer 2020 hatten wir das mittlerweile fünfte Dreijahresprojekt der PMD in Zusammenarbeit mit dem ILD (Internationaler Ländlicher Entwicklungsdienst e.V.) und unter Förderung durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Angriff genommen. Dieses Projekt wurde jetzt mit dem Ende des Jahres 2023 erfolgreich abgeschlossen. Unter dem Titel „Förderung eines eigenorganisierten Managements ländlicher natürlicher Ressourcen zur Armutsbekämpfung und Linderung der Folgen des Klimawandels“ wurden über 30 000 arme Kleinbauern und ihre Familien in 18 Dörfern im Distrikt Villupuram, Tamil Nadu, erreicht. Die Gesamtsumme der Kosten belief sich auf 565.630.00 Euro, wovon wir als AVG 84,173,00 Euro getragen haben. Damit ermöglichten wir einen Zuschuss des BMZ von etwas über 400 000 Euro, weitere 73,907,00 Euro steuerte die PMD als Eigenbeteiligung bei.
Seit fast 50 Jahren kämpft die PMD gegen die Benachteiligung der Dalits wie auch der unteren Kasten, indem sie einen höheren Grad an Selbstwirksamkeit auf individueller Ebene sowie auf lokaler Ebene in den Dörfern ermöglicht und durch Schulungen begleitet. Da der Klimawandel diesen kleinbäuerlichen Gruppen besonders zusetzt, wurde der Schwerpunkt neben der Förderung der Bildung durch Summercamps für Schülerinnen und Schüler vor allem auf eine nachhaltige und ökologische Nahrungsmittelerzeugung und eine Begrünung des dörflichen Umfelds gelegt. Familien wurden ermutigt, neben ihren Hütten Gärten zur Selbstversorgung anzulegen sowie auch Bäume zu pflanzen, um durch Beschattung das Austrocknen der Erde und die auch in diesem Jahr besonders starke Hitzebelastung abzumildern. Daneben wurden Anbaualternativen vorgestellt, die mittels eines organischen Landbaus für ein Einkommen der Familien sorgen können. Die Verbesserung der Bodenqualität ohne den Einsatz teurer chemischer Pflanzenschutzmittel oder kostspieligem Mineraldünger wurde dabei in Schulungen vermittelt ebenso wie an die jetzigen Bedingungen angepasste Bewässerungsmethoden.
Die halbjährlichen Projektberichte der PMD dokumentieren, dass erfolgreich wiederaufgeforstet wurde sowie Obstbaumkulturen, Gemüsefelder und Hausgärten angelegt wurden. Durch die Gewinnung und Verwendung von eigenem Saatgut und durch die Aufzucht von Setzlingen in Gewächshäusern und Baumschulen werden die Bauern unabhängiger von den großen multinationalen Konzernen. Die Berichte und Bilder der PMD dazu können Sie auf unserer Homepage nachlesen:
http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/pmd/laendliche-entwicklung/42-fuenftes-3-jahresprojekt-zur-laendlichen-entwicklung-erfolgreich-abgeschlossen
Weitere Informationen zum Summercamp 2023 finden Sie unter:
http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/pmd/bildung
Auch die Indienreisegruppe hat sich auf ihrer letzten Reise im Frühjahr 2023 von dem Fortschritt und den positiven Ergebnissen dieses Projekts überzeugen können. Der Erfolg des Projekts hat auch in anderen Dörfern im Umkreis der PMD den Wunsch geweckt, auf nachhaltigen und an den Klimawandel angepassten Landbau umzustellen. Daher ist geplant, nach der üblichen Karenzzeit nach Beendigung eines Projekts einen Fortführungsantrag an das BMZ zu stellen. Auch hierbei werden wir ganz maßgeblich beteiligt sein, denn die Fördermittel des BMZ richten sich danach, wie hoch unser Spendenbeitrag ist.
Da wir im Jahr 2023 die letzte Rate von 13.735,00 Euro für das noch laufende Projekt überwiesen hatten, blieben uns noch genug Spendengelder, um die PMD auch in einzelnen Bereichen direkt unterstützen zu können. Wie in jedem Jahr förderten wir Studenten und Studentinnen mit insgesamt 5000 Euro in unserem Stipendiatenprogramm.
Nachdem 82 Familien von Wanderarbeitern bei einem der heftigsten Wirbelstürme mit großen Überschwemmungen in der Gegend von Chennai ihre bescheidenen Unterkünfte in der Großstadt verloren hatten und zurück aufs Land fliehen mussten, überwiesen wir 3700 Euro als Soforthilfe für die Bereitstellung von dringend notwendigen Nahrungsmittelhilfen. Für 7000 Euro werden jetzt zwei Trinkwasserbrunnen an ländlichen Schulen gebaut, 1300 Euro stellten wir für die Computerausstattung für zwei Dorfschulen bereit.
Auch mit dieser gezielten Hilfe möchten wir einen Beitrag leisten für globale Gerechtigkeit. Das ist ein großes Wort für eine Schule, das uns aber in unserer gesamten Bildungstätigkeit durch jedes Jahr motiviert, interkulturelle Fragestellungen in den Blick zu nehmen. Dass die Schülerinnen und Schüler des AVG sowie ihre Familien diesen Gedanken bewusst leben, zeigt das Ergebnis des diesjährigen Projektschultages, der die Rekordsumme von 43.000 Euro erbrachte. Herzlichen Dank an alle Beteiligten. Den Bericht zum Projektschultag können Sie auf der Homepage des AVG hier nachlesen: https://avg-trier.de/2023/07/04/unesco-projektschultag-2023-sponsorenlauf-mit-rekordergebnis/
Im letztjährigen Mitgliederrundbrief berichteten wir bereits von unserem Besuch Anfang 2023 in Cowdalli und dem gemeinsam gefeierten Jubiläum unserer 25-jährigen Partnerschaft mit der St. Anthony‘s School.
Im 26. Jahr besuchten im vergangenen Schuljahr 566 Jungen und Mädchen den Unterricht von der ersten zur zwölften Klasse. Daneben gibt es noch zwei Kindergartenklassen sowie den finanziell selbstständigen Zweig English Medium. Da der Unterricht dort weitgehend auf Englisch abgehalten wird, hoffen die Eltern, dass ihre Kinder größere Chancen im Berufsleben haben werden. Zwar werden in Karnataka noch etwa die Hälfte der Schüler in ihrer Muttersprache Kannada bzw. Tamil unterrichtet, aber in den Nachbarstaaten Andhra Pradesh, Tamil Nadu und Kerala wird diese Grenze bereits unterschritten, so dass dort zum Teil nur ein Drittel der Schülerinnen und Schüler den Unterricht in ihrer Landessprache bewältigen. In Indien existieren mehr als 700 Sprachen und es gibt keine eigentliche staatliche Einheitssprache. Neben Hindi und Englisch als offiziellen Sprachen werden auch 22 weitere regionale Sprachen als Verwaltungssprachen anerkannt. Der Aufstieg der englischen Schulen wird im Grunde durch die prosperierende Mittelklasse betrieben, in Folge dessen wird Englisch auch für die niedrigeren Klassen das Zugangstor zum gesellschaftlichen Aufstieg, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Mit der Befürchtung, dass durch den englischsprachigen Unterricht die Fertigkeiten in der Muttersprache abnehmen, sieht man auch die kulturelle Diversität in Gefahr. Aus soziologischer Sicht wird auch die Spaltung der Gesellschaft verstärkt, wenn sich nur die Wohlhabenderen die English Medium Schulen leisten können. Denn die Schulgebühren sind in diesem Zweig deutlich höher angesetzt, auch in Cowdalli.
Aber für viele Familien bleibt die St Anthony’s School ein wichtiger Garant für Bildung. Allerdings sind immer noch die Nachwirkungen der Corona-Maßnahmen zu spüren, so dass große Nachlässe auf die Schulgebühren gegeben werden. Die Primarstufe von der 1. bis zur 7. Klasse verlangt nur 30 % der sonst üblichen Gebühren, dieser Satz steigt bis auf 70 % für die beiden Vor-Collegeklassen 11 und 12. Ohne unsere finanzielle Unterstützung könnte die Schule sich nicht tragen. Immerhin sind 21 Lehrerinnen und Lehrer in der St Anthony’s School beschäftigt mit einem Gehalt, das in etwas auf einem Niveau liegt wie vor Corona. Dass sich die Lehrer mit der Schule verbunden fühlen, zeigt auch der Erfolg der Schüler in den Prüfungen im Jahr 2023, denn von 54 Prüflingen für den Highschool-Abschluss bestehen 52 diesen erfolgreich. Auch wenn im College von 71 Teilnehmern an der Abschlussprüfung nur 61 bestehen, so ist auch das als Erfolg zu werten.
Für das Schuljahr 2023/24 haben wir die St Anthony’s School mit 20.000 Euro unterstützt. Für das folgende Schuljahr haben wir bereits zugesagt, diese finanzielle Unterstützung weiterzuführen. Wir danken allen Mitgliedern des Indienvereins für ihre Mitgliedsbeiträge, die uns seit 25 Jahren ermöglichen, die Kinder in Cowdalli und diese Schule zu fördern.
Mit dem Jahr 2023 konnten wir unsere Indienreisetradition wieder aufnehmen. Im Februar reisten 13 Schülerinnen und Schüler des AVG mit ihren Lehrern Hermann Anton, Doris Reuter und Frank Wintersinger nach Südindien, um die Projekte zu besuchen sowie das Land und die Kultur kennenzulernen. Ihre Erlebnisse haben sie bei den Indienabenden am 15. und 16. Juli der Schulgemeinschaft und allen Interessierten vorgestellt. Auf der Homepage der Indienpartnerschaft finden Sie den umfangreichen Blog der Reisegruppe, wenn Sie die Erlebnisse noch einmal nachvollziehen möchten: http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/46-indienreise-2023
Mitten im Jahr erreichte uns die Nachricht, dass ein Lehrer der St Anthony’s School in Cowdalli infolge eines Unfalls ums Leben kam und seine junge Familie in einer ausgesprochen prekären Situation zurückließ. Die alten und starren familiären Strukturen wollten die Witwe in eine absolute Abhängigkeit von der Familie ihres verstorbenen Mannes zwingen. Die 23-Jährige besteht jedoch darauf, dass sie eigene Entscheidungen über ihre Zukunft und ihr Leben treffen möchte. Da ihre eigene Familie sie zwar moralisch unterstützen kann, aber selbst an der Armutsgrenze lebt, haben wir im Kollegium gesammelt, um den Kauf einer Milchkuh zu ermöglichen, die das Familieneinkommen sichern helfen soll. Wir verstehen das als eine Geste der Solidarität.
Durch die weitere Arbeit in und für die Indienpartnerschaft werden wir uns auch in Zukunft für Solidarität, Toleranz und Verständigung über kulturelle Unterschiede hinweg einsetzen und vielleicht auch etwas verändern.