An alle Mitglieder, Freunde und Unterstützende der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums
Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützende,
für das neue Jahr 2026 wünscht Ihnen der Vorstand der Indienpartnerschaft viel Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit. Wir möchten uns bei Ihnen mit diesem Mitgliederrundbrief für die Unterstützung im Jahr 2025 bedanken und Sie über die Neuigkeiten im Verein und in den Projektregionen in Indien informieren.
Die Vorstandswahlen der Indienpartnerschaft im März 2025 haben Veränderungen mit sich gebracht. Als neue Vorsitzende wurden Frank Wintersinger (2. Vorsitzender) und Daniela Maly (1. Vorsitzende) gewählt. Wir arbeiten beide seit vielen Jahren am AVG und im Vorstand der Indienpartnerschaft mit und kennen die Projekte und Projektpartner. Hermann Anton und Edith Ehmer sind nach 13 Jahren von ihren Ämtern als Vorsitzende zurückgetreten. Edith Ehmer ist seit August 2025 im Ruhestand und Hermann Anton ist im Schuljahr 2025/2026 im Sabbatjahr. Wir möchten uns recht herzlich für die wunderbare Arbeit bedanken, die Hermann und Edith in den vergangenen Jahren für die Partnerschaft geleistet haben. Unermüdlich und voller Motivation haben sie alle Projekte im Blick behalten und der Schulgemeinschaft immer wieder ermöglicht, über den Tellerrand nach Indien zu schauen. Wir sind froh, dass die beiden auch weiterhin Teil des Vorstands der Indienpartnerschaft bleiben und uns mit ihrer Erfahrung und Expertise weiter unterstützen und beraten werden.
Am Freitag, dem 2. Mai 2025 fand unser letztjähriger unesco-Projektschultag statt. Unser Ziel war es, 16.500€ an Spenden zu erwandern, um einer Grundschule im Dorf Kanakkankuppam im Projektgebiet der PMD (People’s multipurpose development) den Bau von dringend benötigten Schultoiletten zu finanzieren. Der in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Schule drohte ansonsten die Schließung, was fatal wäre für die 140 meist kastenlosen Kinder, die in dem Dorf im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu diese Schule besuchen. Aber auch ohne die drohende Schulschließung ist ein Schulbesuch ohne Toilettenzugang nicht nur eine Zumutung, sondern die Kinder setzen sich auch Gefahren und gesundheitlichen Risiken aus, wenn sie zu wenig trinken, um nicht zu müssen, oder wenn sich alle rund um die Schule erleichtern und sich dadurch Krankheiten verbreiten.
Die Sternwanderung war mit 18.460,35€ so erfolgreich, dass der Bau der Toiletten und noch weitere Projekte finanziert werden konnten. So war es uns auch im vergangenen Jahr möglich, 5000€ an die PMD zu überweisen, um das über viele Jahre wirksame Stipendiatenprogramm weiterhin zu unterstützen. Die in Indien anfallenden Prüfungsgebühren können dazu führen, dass manche Schüler*innen oder Student*innen die Schule nicht abschließen, weil die Familie das Geld für die Prüfungsgebühr nicht aufbringen kann. Die PMD hat diese Fälle im Blick und unterstützt die Schüler*innen und Student*innen mit einem Stipendium.
Die PMD feierte im November 2025 ihr mittlerweile 50-jähriges Jubiläum. Aber auch unsere Zusammenarbeit mit dieser NGO währt bereits seit 25 Jahren. Dies zeugt von Kontinuität und erfolgreicher Arbeit der PMD im Distrikt Villuppuram (Tamil Nadu), aber vor allem auch von Vertrauen und Freundschaft zu den Menschen in der PMD, allen voran zu Dr. Arokiasamy, dem langjährigen Leiter, zu seinem Sohn Anbarasu, der den Vorsitz der Organisation übernehmen wird, und zu Sagayamary, der Ehefrau und Vorsitzenden der Unterorganisation LMW (Liberation movement for women), die auch als Gemeindevorsteherin in Kakkanur politisch tätig ist.
Neues Großprojekt mit unserer Unterstützung geplant
Die PMD ist nah dran an den Menschen in den Dörfern und unterstützt die Kleinbauern und deren Familien, sei es, dass es um die schulische Bildung der Kinder geht oder auch um die ökologische Weiterbildung im dringend nötigen Umbauprozess der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels. Aus diesem Grund möchten wir ein weiteres Großprojekt der PMD unterstützen. Aufbauend auf dem im Jahr 2024 abgeschlossenen Projekt, das mit finanzieller Unterstützung des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eine überaus erfolgreiche, nachhaltige Entwicklung in 20 Kommunen initiiert hat, wird im Frühjahr 2026 beim BMZ ein neuer Projektantrag gestellt werden, um ein weiteres Dreijahresprojekt zu unterstützen. Das Projekt mit dem Titel „Eigenorganisiertes und nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen für höheres Einkommen, bessere Gesundheit und bessere Ernährung“ soll nach Rückmeldung von Entwicklungsexperten auf 20 Dörfer ausgeweitet werden und eine Projektsumme von insgesamt 396.704€ umfassen.
Im Gegensatz zu anderen Teilen Indiens, die eine schnellere Industrialisierung erleben, ist der Distrikt Villuppuram, in dem die PMD tätig ist, immer noch überwiegend ländlich und weniger entwickelt. Der Landwirtschaftssektor ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region und bildet die Grundlage der lokalen Wirtschaft. Das Pro-Kopf-Einkommen von Villuppuram beträgt ca. 1.450€ im Jahr (Gesamtindien: 2.348€, Chennai: 4.400€). Die Wirtschaftsleistung verteilt sich zu 35 % auf die Landwirtschaft, zu 20 % auf die Industrie und zu 45 % auf den Dienstleistungssektor. Auch die Alphabetisierungsquote von nur 60 % zeugt davon, dass der vielgepriesene wirtschaftliche Aufschwung Indiens in manchen ländlichen Regionen kaum ankommt. Hinzu kommt der Klimawandel, der in dieser Region durch lange Dürreperioden und Überschwemmungen nach Starkregenphasen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellt. Viele Kleinbauern reagieren darauf mit unsachgemäßer Verwendung von Düngemitteln.
Das Projekt setzt genau hier an. Die Bauern sollen geschult werden und durch den Anbau klimaresistenterer Pflanzen und den Einsatz biologischer Anbaumethoden ihre Erträge erhöhen. Darüber hinaus sollen die Menschen im Hinblick auf Hygiene, Gesundheitsvorsorge und Ernährung weitergebildet werden. Jugendliche möchte man durch Förder- und Motivationsprogramme erreichen. Dabei soll die schlechte schulische Ausstattung der Landschulen mit Computern und Tablets verbessert und insbesondere Mädchen im Umgang mit diesen gefördert werden, um ihnen eine bessere Ausbildungs- und Berufsperspektive zu bieten. Aber auch die Einkommenssituation der einkommensschwachen Familien wird in diesem Projekt in den Blick genommen. Dabei haben insbesondere die Frauen kaum Einfluss auf das Einkommen oder auf Entscheidungen zu notwendigen Anschaffungen. Ihnen fehlen Kenntnisse darüber, wie man Geld sinnvoll anlegt oder Kleinkredite als Startkapital für selbstständiges Arbeiten erlangen kann. Sie sollen daher gezielt weitergebildet werden, damit sie im häuslichen Umfeld Tätigkeiten aufbauen können, die der Familie ein Einkommen verschaffen. Das BMZ wird für dieses Projekt 75% der Investitionssumme übernehmen, die PMD übernimmt 15% und die Indienpartnerschaft des AVG wird 10% der Summe in vier Raten bis 2029 übernehmen. Der diesjährige Spendenlauf wird also ganz im Sinne dieses Projektes stehen.
Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen am unesco-Projektschultag am Mittwoch, dem 29. April 2026 vorbeizukommen und die Schüler*innen anzufeuern, die auf einem Rundkurs AVG – Domfreihof – Sieh um dich – AVG für diesen guten Zweck laufen werden.
St. Anthonys School in Cowdalli
Der zweite Kernpunkt unserer Arbeit und die eigentliche Keimzelle des Indienvereins, die St. Anthony‘s School in Cowdalli im Bundesstaat Karnataka, haben wir im letzten Jahr mit 15.000 € unterstützt. Mit diesem Geld konnten wir wie in den vergangenen Jahren dazu beitragen, dass die notwendigen Schulgebühren gering bleiben und zahlreiche Kinder die Schule sogar kostenlos besuchen können.
Auch in Cowdalli muss die Schülerschaft zukunftsfähig ausgebildet werden und den Umgang mit Tablets und Computern lernen. Deswegen haben wir zusätzlich Computer im Wert von 4000€ finanziert, um die Grundlagenvermittlung zu ermöglichen. Unsere Zusammenarbeit mit der St. Anthony‘s School im Bundesstaat Karnataka besteht nunmehr seit fast 30 Jahren. Aufgrund unserer kontinuierlichen Unterstützung hat sich die Schule seit unserem ersten Besuch stark gewandelt. Sie bietet 1185 Schüler*innen eine solide Schulbildung, mittlerweile auch in einem English Medium Zweig mit 526 Schüler*innen, in dem der Unterricht auf Englisch stattfindet, und sogar mit einer Oberstufe, die zum College-Abschluss führt, die im letzten Schuljahr von 127 Schüler*innen besucht wurde. Diese Erfolge werden uns immer auf das Engste mit der St. Anthony‘s School verbinden und diese Verbundenheit wird auch weiterhin verknüpft bleiben mit Verantwortung für die Menschen, die wir über so viele Jahre begleitet haben. Im Sinne einer selbstbestimmten, nachhaltigen Entwicklung möchten wir allerdings die regelmäßige finanzielle Unterstützung in den kommenden Jahren sukzessive weiter reduzieren und der Schule mehr Eigenverantwortung übertragen.
Indien – der Global Player
Die Entwicklung in Cowdalli erscheint modellhaft für die ganze Nation. Aus einem nach der Kolonialzeit ausgebeuteten und verarmten Land, das dringend auf Unterstützung angewiesen war, hat sich ein zunehmend selbstbewusst auftretender Staat entwickelt.
Wenn Indien bei uns in den Nachrichten auftaucht, dann zunehmend als Global Player, der sowohl von Putin als auch von der EU und von Friedrich Merz umgarnt wird. Putin möchte sein Öl verkaufen können und das wirtschaftlich und industriell aufstrebende Indien ist auf Öl angewiesen. Deutschland braucht Indien einerseits als Absatzmarkt für Exportprodukte, andererseits aber auch, um Fachkräfte zu finden, sei es in der IT und KI-Branche oder auch im Handwerk oder in der Pflege. Die größte und in demografischer Hinsicht jugendlichste Demokratie der Welt erscheint uns dabei als natürlicher Verbündeter mit ähnlichen Interessen. Dabei übersehen wir gerne, dass die zunehmende Entwicklung des Landes immer mehr eine eigene Positionierung erlaubt, die ein gegenseitiges Miteinander auf Augenhöhe erfordert. Außerdem ist Indien bis heute ein Land der unglaublichen Gegensätze, nach wie vor überfordert mit der immer noch zu armen und wenig gebildeten Landbevölkerung, die wir mit der PMD und in Cowdalli weiterhin unterstützen wollen, wobei auch wir von den Menschen in Indien, Ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihren Entwicklungen lernen wollen, damit aus der einseitigen Abhängigkeit Gleichberechtigung entsteht.
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung unserer Indienpartnerschaft und wünschen Ihnen ein gesundes und erfreuliches neues Jahr, in dem hoffentlich der Durchbruch zu Frieden in den einzelnen Krisenregionen erfolgt.
Daniela Maly, 1. Vorsitzende
Frank Wintersinger, 2. Vorsitzender























