Dr. Anna Ullrich ist Direktorin am Mandel Center im Holocaust Memorial Museum in Washington D. C.. Dies fand ich im Februar diesen Jahres über einen Artikel im Trierischen Volksfreund heraus. Einen Teil ihres Studiums absolvierte sie allerdings in Trier und engagierte sich hier beispielsweise anhand von Führungen zu Orten in Trier, deren historische Bedeutung man im Kontext des NS-Regimes stets gedenken muss.
Ihr Engagement gegen das Vergessen zeigt Parallelen zu unserem Engagement als UNESCO Projekt Schule und als Mitglied des Labels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ .
Da mir im Sommer die Chance ermöglicht wurde, Teile der USA, darunter die Landeshauptstadt Washington DC mit meiner Familie zu bereisen, habe ich Anna Ullrich im Namen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ kontaktiert und sie um ein Treffen und ein Interview zu Fragen unserer AG gebeten. Eine direkte Rückmeldung mit einer Zusage folgte und wir vereinbarten einen Termin. Vor unserem Gespräch besichtigte ich die eindrucksvolle Ausstellung im Holocaust Memorial Museum. Anschließend nahm sich Anna Zeit für meine Fragen und mich:
Schon früh habe sie sich, wie sie mir erzählt, für Geschichte interessiert. Ein prägender Moment war für sie ein Schulpraktikum in der Gedenkstätte Buchenwald. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt sie. Dieses Interesse entwickelte sich weiter – über ein Studium in Geschichte, Medien- und Politikwissenschaft in Trier, eine Promotion zur deutsch-jüdischen Vereinsgeschichte bis hin zu ihrer jetzigen Tätigkeit, in der sie internationale Forschungsprojekte betreut und junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Bereich der Holocaustforschung unterstützt.
Besonders wichtig ist ihr dabei die Verbindung zwischen Forschung und Erinnerungskultur im Alltag. Sie betont, wie entscheidend es sei, die Geschichte nicht nur als etwas Fernes zu betrachten, das in Auschwitz oder Treblinka stattfand, sondern sie dort zu suchen, wo wir leben – in unseren Städten, in unseren Schulen. „Verfolgung begann nicht in den Lagern, sondern in den Städten, auch in Trier“, sagt sie. Stolpersteinprojekte und lokale Erinnerungsarbeit seien daher wertvolle Ansätze.
In unserem Gespräch wurde deutlich, wie sehr sie unsere Arbeit als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unterstützt. Gerade unser Engagement gegen Diskriminierung und für Aufklärung beeindruckt sie. Sie bestärkt uns darin, eigene Perspektiven einzubringen, Mitschüler zu motivieren und Erinnerungsarbeit mit dem Schulalltag zu verbinden. „Es braucht Menschen, die aufstehen und sagen: Diese Geschichte darf nicht vergessen werden“, sagte sie – und spricht dabei aus Erfahrung.
Auch wenn sie sich momentan noch nicht sicher ist, ob sie aus ihrer Funktion heraus eine feste Patenschaft übernehmen kann, zeigt sie sich offen für punktuelle Unterstützung, z. B. in Form eines digitalen Austauschs mit interessierten Schülergruppen. Damit könnte ein wertvoller Kontakt zwischen Trier und Washington entstehen.
Was bleibt von diesem Gespräch? Vor allem ein Gedanke, den wir als AG weitertragen möchten: Erinnern beginnt nicht in Geschichtsbüchern – es beginnt vor Ort, mit den Menschen und Geschichten unserer Stadt. Ein Teil des Weges, den Anna Ullrich geht, um gegen das Vergessen zu kämpfen und zu forschen, ereignete sich in Trier. Und vielleicht – so scheint es – kehrt er auch immer wieder dorthin zurück.


















