Das Schulbauprogramm in Mangalapuram


Noch warten die Schüler im Freien auf die Fertigstellung ihrer neuen Schule
(Juni 2003)

Durch den Kontakt zu den Trierer Landfrauen, die sich in derselben Region in Südindien für die Förderung landwirtschaftlicher Projekte engagieren, lernten wir Herrn Lothar Kleipaß vom Internationalen Landvolkdienst (ILD) kennen. Er eröffnete uns Möglichkeiten, wie wir mit einem gemeinsamen Projektantrag mit der Katholischen Landvolkbewegung an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) an zusätzliche Entwicklungshilfegelder kommen können. Herausragendes Ereignis unserer gesamten Arbeit ist sicherlich die Zusage des BMZ das integrierte ländliche Entwicklungsprojekt in der Region Mangalapuram zu fördern.

Ziel des gesamten Projektes ist es, die Lebenssituation und –perspektiven nachhaltig zu verbessern. Dies soll zum einen über die Bereitstellung landwirtschaftlicher Produktionsmittel zu angemessenen Konditionen und zum anderen durch die Verbesserung der schulischen Infrastruktur in den Dörfern, sowie die Stärkung von Frauenselbsthilfegruppen erfolgen.

Mit der Schaffung geeigneter Räumlichkeiten für den Schulunterricht in den Dörfern und der Stärkung und Organisation von Selbsthilfegruppen sollen das Vertrauen in eigene Gestaltungsmöglichkeiten gewonnen und Voraussetzungen für ein weiteres Engagement staatlicherseits geschaffen werden.

Der gesamte Leistungsumfang beträgt 428.836 Euro, anteilig daran 154.200 Euro für den Bau von sieben Schulen. Der Beitrag des Auguste-Viktoria-Gymnasiums an den Schulbauprojekten liegt bei 33.000 Euro. 115.650 Euro (75%) übernimmt das BMZ. Der Anteil des Auguste-Viktoria-Gymnasiums ist durch Solidaritätsaktionen wie Sponsorenwanderungen, Basarstände, Kunstaktionen, Postkartenverkäufe, durch besondere Spenden sowie Mitgliedsbeiträge und Patenschaften des Vereins erwirtschaftet worden. Wir freuen uns sehr, dass die Schulen bereits im Bau sind und in den Jahren 2003 und 2004 eingeweiht werden können.


Partizipation

Das erfolgreiche Schulbauprogramm erfüllt uns mit Freude. Durch unsere Solidaritätsaktionen und hauptsächlich durch die Unterstützung des BMZ (s.unten) konnten in der Region Mangalapuram acht neue Schulen gebaut werden. Fünf weitere sollen in den Jahren 2005 und 2006 folgen. Ein Projekt, das sich dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet, kann aber bei einer reinen Spenden- und Bauaktion nicht halt machen. So unterstützt das BMZ auch keine einzelnen Schulbauprojekte. Bildung ist sicherlich eine der wesentlichen Voraussetzungen, um in der sich weiter global entwickelnden Welt Fuß zu fassen, aber eine Schulbildung allein ist noch keine Garantie für eine zukünftige Existenzsicherung. Bei jedem Projektvorhaben müssen nach dem Modernisierungsszenario der Nachhaltigkeit (Agenda 21) die drei Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziale Gerechtigkeit bedacht werden. Dieser Prozess gelingt am Besten in der Kommunikation aller Beteiligten. Erst durch das Beobachten und Hinhören entwickelt sich ein Verständnis und ein Bewusstsein für die Zusammenhänge. Nie hätten wir durch das bloße Studium der Literatur allein viele uns heute wichtige Wechselwirkungen und Hintergründe verstanden. Dazu muss man ein Dorf oder gar eine Region in seiner Ganzheit betrachten lernen.

Wir können mit den Menschen dort sprechen, wir können sehen, wie sie arbeiten oder eben keine Arbeit haben; wir können mitarbeiten, z.B. bei der Landarbeit oder bei der Wasserversorgung. Wir können begreifen, welche Probleme am dringendsten angegangen werden müssen. So müssen wir feststellen, dass die meisten Landbewohner in der Projektregion keinen Wasseranschluss haben, geschweige denn eine Möglichkeit auf menschenwürdige Weise ihre Notdurft zu verrichten. So sehen wir, dass Schulbildung wichtig aber noch nicht alles ist, und dass an vielen Stellen angepackt werden müsste, damit sich in der Wechselseitigkeit des Geschehens eine positive, nachhaltige Entwicklung anbahnt.

Deshalb werden wir uns nicht mehr auf das reine Schulbauprogramm beschränken, sondern werden z.B. in Zukunft wiederum mit der Unterstützung des BMZ Toiletten bauen, für das Jahr 2004 sind 300 projektiert, die gleichzeitig zur Biogas- und Düngerherstellung genutzt werden können. Auch die Wasser-versorgung darf nicht nur durch das Anliegen immer neuer Tiefbrunnen geregelt werden, vielmehr muss die Regenaufbereitung im Vordergrund stehen. Für alle diese Erkenntnisse und für das Verständnis dieser Zusammenhänge sind wir sehr dankbar. Wir haben diese Dinge vor allem durch den Kontakt und die Kommunikation mit den Menschen selbst und der freundlichen Beratung durch viele Fachleute gelernt. Wichtig zu nennen sind hier verschiedene Nichtregierungsorganisationen (Peoples Multipurpose Development Society in Mangalapuram und der Internationale Landvolkdienst in Bad Godesberg) und Entwicklungsberater der Universität in Trier. Wir hoffen, dass wir aus anfänglichen Besuchen eine wirkliche Partnerschaft entwickeln können. Schon aus diesem Grunde werden auch in Zukunft die Schulreisen nach Indien ein wesentlicher Bestandteil des Schulprojekts bleiben.


Zusammenarbeit mit Nicht-Regierungsorganisationen und dem Bundesminis-terium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt sinnvolle Projekte. So kann man den Beitrag, den man für ein nachhaltiges Entwicklungsprojekt erbringt, vervier-fachen.

Voraussetzung ist allerdings, dass das Projekt nachhaltig im Sinne der Agenda 21 wirken kann und es mit den Grundsätzen der Entwicklungspolitik der Bundesrepublik übereinstimmt. Das Projektvorhaben muss entsprechend begründet werden. Diese Aufgabe schafft man in der Regel im ersten Anlauf nicht allein. Dazu ist die Vermittlung einer Nichtregierungsorganisation in Deutschland und im Projektland notwenig. Es gibt zahlreiche NRO`s in Deutschland, wir arbeiten mit dem Internationalen Landvolkdienst (ILD) gegenseitig fördernd zusammen. Auf die NGO im Projektland trifft man häufig durch „Hörensagen“ entsprechender „Insider“. Auch die NRO`s in Deutschland können NGO im Projektland vermitteln. Nur durch diese Zusammenarbeit ist uns der Bau von acht Schulen innerhalb von drei Jahren gelungen. Aus eigener Kraft hätten wir das nicht geschafft. Sehr bedeutsam für den Schulalltag ist neben der finanziellen Unterstützung durch den Staat das Lernbeispiel, wie man Hilfe tatsächlich und praktisch organisieren kann.


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